Skyline & Krawatten.
"Nun ja, so was richtig historisches, nein, das haben wir hier nicht in Frankfurt." Kurz, bündig, ehrlich, so die Antwort des älteren Herren den ich auf der Strasse angesprochen habe. Verbleibende Zeit bis zu meinem Rückflug nach Innsbruck: Vier Stunden. "My Zeil, das wäre so ein Einkaufszentrum. Zu Fuss braucht man sieben Minuten." Der Hesse ist ein genauer Mensch. Sieben Minuten. In München hätt ich die Antwort bekommen: "Jo mei, da gengans mal da nunta, 5 Minuten oder vielleicht 10..." In Frankfurt sind es sieben Minuten. Zeit ist Geld, und die Finanzen prägen mit Ihren Glastürmen das gesamte Stadtbild.
Big Business
Das Big Business beginnt für mich nicht in Frankfurt, sondern bereits einige hundert Kilometer südlich davon. Als ich morgens 06:15 das Flugzeug von Innsbruck nach Frankfurt betrete, bin ich der einzige Fluggast ohne Anzug oder Kostüm. In Jeans und weissem Hemd fühle ich mich angenehm underdressed. Zuerst gönne ich mir auch den Luxus den selbst mitgebrachten Sportteil der Tiroler Tageszeitung zu lesen und erst dann standesgemäß die FAZ aufzuschlagen. Im Zug vom Fraport in die City, wohlgemerkt nicht in die Stadt, alles grau in grau. Das Wetter scheint sich der konzentrierten Stimmung meiner Mitreisenden angepasst zu haben. Durch die Wolken hindurch kann man die Skyline der Stadt bereits von weitem sehen. Nun gut, Manhattan ist es nicht gerade, für einen Provinzler aber doch beeindruckend.
Wie eine verdunkelte Sonnenbrille
Imposant aus der Ferne, distanziert bei näherem Betrachten. Paradox. Die Glastürme der Banken strahlen Kühle aus. Frankfurt empfängt seine Besucher nicht mit herzlichen Lächeln sondern einer verdunkelten Sonnenbrille. Es fällt mir nicht schwer direkt in ein Taxi zu steigen und zum Seminarhotel zu fahren. Als ich dem Taxifahrer die Adresse nenne, startet er, fährt los und teilt mir dann erst mit dass das Hotel zu dem ich muss eigentlich direkt ums Eck liegen würde. "Ich kann meine Fahrgäste aber bei diesem Wetter nicht zu Fuss gehen lassen," probiert er die Situation für sich zu retten. Wirklich böse kann man ihm auch wirklich nicht sein, es schüttet wie aus Kübeln.
ByeBye Frankfurt
Nach einem kurzen Spaziergang finde ich doch noch ein lauschiges Plätzchen in Frankfurt. Ein Weinfest in der Fußgängerzone, ich setze mich auf eine der Bierbänke und bestelle mir ein Achterl Weisswein. Verstohlen hinter meinem Laptop heraus beobachte ich das Treiben. Neben den Anzugträgern die auch hier die Masse darstellen, sind hier zumindest ein paar Jugendliche ohne Krawatte unterwegs. Zwei ältere Damen gesellen sich nach einer Zeit zu mir. "Sie sind bestimmt aus Tirol. Da war ich schon des öfteren auf Urlaub, den Dialekt erkennt man. Sehr schön dort." Als ich 2 Stunden später im Flugzeug sitze denke ich daran zurück. Wirklich schön dort, nach einem Tag in der Welt des Big Business weiss man das wieder zu schätzen.
Samstag, 5. September 2009
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